Das Gefühl, gebraucht zu werden

Barth (OZ) - Seit 1992 schafft das Barther Qualifizierungs- und Beschäftigungszentrum e.V. (BQB) befristete Arbeitsgelegenheiten, erleichtert Arbeitslosen den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt und mindert die Bedürftigkeit von Hilfeempfängern. Am 1. Januar 2010 wurde Dietmar Schulz als neuer Geschäftsführer des Vereins eingesetzt. Nach sechs Monaten in seiner neuen Tätigkeit befragte die OSTSEE-ZEITUNG den 48-Jährigen.
OZ: Funktionierte der Wechsel reibungslos?
Dietmar Schulz: Auf jeden Fall. Aufgrund der guten Vorbereitung durch den ehemaligen Geschäftsführer Dr. Volker Lüer sowie durch die Mitgliederversammlung und den Vorstand ist uns ein nahtloser Übergang gelungen.
OZ: Wie definieren sie die gegenwärtige Rolle des BQB?
Schulz: Wir wollen ein verlässlicher arbeitsmarktpolitischer Dienstleister für die Arbeitsgemeinschaft Nordvorpommern, die Agenturen für Arbeit sowie unsere Kooperationspartner, wie Kommunen, Ämter, Verbände, Kirchen und Vereine des Landkreises Nordvorpommern bleiben. Ich möchte mich bei allen für die bisherige gute Zusammenarbeit bedanken.
OZ: Man spricht von sinkenden Arbeitslosenzahlen. Haben die Einfluss auf das BQB?
Schulz: Es wird im Landkreis NVP immer eine Anzahl von Menschen geben, die momentan oder gar nicht auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß fassen können. An diese Gruppe richten sich unsere unterschiedlichen Angebote.
OZ: In welchen Bereichen ist das BQB tätig?
Schulz: Wir führen bewährte Projekte fort und bereiten neue vor. Die Mehrzahl der gegenwärtig 284 Projekte im Landkreis läuft in den Bereichen Forst, Soziales, Kultur und Kommunen.
Daneben betreuen wir eine Reihe von Sonderprojekten, wie beispielsweise den durch die Pomerania geförderten kürzlichen Arbeitsbesuch aus dem polnischen Postomino in Trinwillershagen oder die Pflege des alten Obstgartens am Barther Wirtschaftshafen.
OZ: In welchem Beschäftigungsverhältnis stehen die Projektmitarbeiter?
Schulz: Überwiegend handelt es sich um Arbeitsgelegenheiten gegen Mehraufwandsentschädigung (MAE). Daneben beschäftigen wir einige Mitarbeiter bis zu maximal zwölf Monaten in Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante (EGV). Die Kommunalkombi-Stellen, die bis zum 31. Dezember des vergangenen Jahres beantragt wurden, laufen noch bis 2012.
OZ: Sind von der Politik Änderungen beabsichtigt?
Schulz: Als neues Instrument ist die Bürgerarbeit im Gespräch. Dadurch lassen sich zusätzliche gemeinnützige Arbeitsplätze bis zu einer Dauer von 36 Monaten schaffen, die im öffentlichen Interesse liegen. Ob sich unsere Arge daran beteiligen darf, entscheidet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
OZ: Sind die Mitarbeiter mit ihrer Mehraufwandsentschädigung zufrieden?
Schulz: Die meisten Mitarbeiter sind froh, dass sie eine Arbeitsgelegenheit bekamen. Sie erfüllen eine Aufgabe, sind unter Menschen und haben das Gefühl, gebraucht zu werden. Leider sind viele von ihnen auf das zusätzliche Geld angewiesen. Der größte Teil würde lieber einer regulären Arbeit nachgehen. In unserem Jobclub in Barth und in unserem Bewerberzentrum in Grimmen informieren wir über Stellenangebote und bieten Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen an. Wir freuen uns über jeden, der es schafft.
OZ: Gibt es spezielle Angebote für junge Arbeitslose?
Schulz: In Ribnitz-Damgarten oder in Barth führen wir in Zusammenarbeit mit der Arge monatlich Gespräche mit betroffenen Jugendlichen. Wir versuchen, ihren Interessen und Neigungen entsprechende Arbeitsgelegenheiten zu finden.
OZ: Was gibt es Neues im BQB?
Schulz: Auch wir müssen uns den Erfordernissen der Zeit stellen und arbeiten deshalb seit 2007 nach einem Qualitätsmanagementsystem. Gegenwärtig passen wir es an die Erfordernisse einer neuen Norm an. Es garantiert unseren Partnern eine gleichbleibende Qualität bei der Vorbereitung, Durchführung und Abrechnung unserer Projekte. Seit dem 21. Juni ist unsere neue Website im Netz verfügbar. Eine ihrer Seiten informiert über Aktuelles, außerdem wurden die Angebote des Jobclubs Barth, des Bewerberzentrums Grimmen und der Begegnungsstätte „Hängematte“ integriert. Es wurden Links zu allen großen Jobsuchmaschinen gelegt, gleichzeitig können Unternehmen ihre aktuellen Jobangebote eintragen und veröffentlichen.
Interview: VOLKER STEPHAN