Zurück in den Alltag finden: Projekt „Hängematte“ unterstützt dabei
    Begegnungsstätte des BQB für psychisch kranke Menschen beging ihren sechsten Geburtstag.
    Leiterin Heike Dieringer kann eine positive Bilanz ziehen.

    Jan Knop (42) (auf dem Foto mit Heike Dieringer) ist seit längerem Gast in der Begegnungsstätte und widmet sich dann gern dem Korbflechten.
    Erlernt hatte er es während seines Klinikaufenthaltes.Foto: Volker Stephan

    Barth (OZ) - Mit einem „Tag der offenen Tür“ feierten Mitarbeiter und Besucher den sechsten Geburtstag ihrer Begegnungsstätte „Hängematte“. Das Projekt für psychisch kranke Menschen wird von Heike Dieringer (56) geleitet. Im Auftrage des Barther Beschäftigungs- und Qualifizierungszentrums ist sie von Anfang an dabei. „Mittlerweile werden unsere Angebote in der Blauen Wiese 14 von etwa 25 Barthern in Anspruch genommen, die Tendenz ist steigend“, erzählt Heike Dieringer. „Manche der 30- bis 79-Jährigen besuchen uns jeden Tag, andere lassen sich zwei- bis dreimal pro Woche sehen.“ Es handele sich um ganz normale Mitbürger, denen nach der Überwindung einer psychischen Erkrankung geholfen wird, zurück in den Alltag zu finden. Solche Krankheiten, wie zum Beispiel Depressionen oder Burn-Out-Syndrome, könnten unverhofft jeden treffen.

    Heike Dieringer bezeichnete das Knüpfen sozialer Kontakte und vor allem Gespräche als wichtigstes Mittel zur persönlichen Problembewältigung. Die Themen würden sich um private Belange, aber auch aktuelle Ereignisse in Barth und in der Welt drehen. Darüber hinaus bekämen die Besucher der „Hängematte“ Unterstützung in alltäglichen Angelegenheiten. „Wir stellen gemeinsam Einkaufslisten auf, gehen Einkaufen, helfen bei Behördengängen und fahren auch gemeinsam zum auswärtigen Facharzt, wenn kein eigenes Auto vorhanden ist.“ Währen der normalen Öffnungszeiten der „Hängematte“, wochentags von 10 bis 15 Uhr, würde man kochen und backen, handarbeiten, basteln, spielen und gemeinsam Geburtstage feiern. „Unsere Besucher sollen sich keinesfalls nutzlos fühlen oder einigeln, sondern bei den Beschäftigungen aus sich herauskommen. Viele treffen sich schließlich auch auf privater Ebene, was unseren Zielen sehr entgegen kommt.“ An diesem Tag stand eine Kaffeetafel im Vordergrund, an der sich Mitarbeiter, interessierte Barther sowie ständige Besucher und deren Angehörige unterhielten, Fotos zeigten und Pläne schmiedeten.

    Auch Detlef Thämlitz (58), ein Hängematten-Besucher der ersten Stunde, war darunter. „Anfangs waren wir hier nur zu dritt oder zu viert, später kamen immer mehr Besucher hinzu.“ Der Barther liebt das gemeinsame Kochen und die Brettspiele. Der Umgang sei sehr kameradschaftlich, man unterstütze sich auch außerhalb der „Hängematte“ gegenseitig. „Die Anderen halfen mir, meinen Zaun zu streichen. Bei einer anderen Gelegenheit haben wir alle bei mir gegrillt“, berichtete er.
    Volker Stephan