Das BQB übergab kürzlich der Jugendherberge auf dem Donnerberg ein Modell ihrer Einrichtung.
       
    Vorarbeiter Lothar Schmidt (li.) hilft Sven Laskowski beim Bauen der filigranen Modelle
    Fotos: Volker Stephan

    Barth - Viele gelungene Mini-Nachbauten von Gebäuden und ganzen Ensembles haben seit 1992 die Modellbauwerkstatt des Barther Beschäftigungs- und Qualifizierungszentrums (BQB) verlassen. An den Arbeitstischen werkeln jedoch keine professionellen Modellbauer, sondern arbeitslose Mitbürger aus völlig artfremden Berufen. Sie erhalten auf dem zweiten Arbeitsmarkt die Chance, wenigstens für eine gewisse Zeit wieder an einem geregelten Arbeitsleben teilzuhaben.

    Manch einer entdeckt bei der Fingerspitzengefühl und Geduld erfordernden Tätigkeit völlig neue Eigenschaften und Neigungen an sich selbst. So auch Sven Laskowski aus Prerow. Gemeinsam vier weiteren Mitarbeitern und unter der Anleitung von Vorarbeiter Lothar Schmidt (58) arbeitet der 25-jährige Ausbaufachwerker an der Fertigstellung der Bahnhöfe der Darßbahn und an der Kirche St. Jürgen mit.

    Während die übrigen Modellbauer vorwiegend den älteren Jahrgängen angehören, darf Sven Laskowski seinen erlernten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben.

    „Modellbau wäre eine schöne berufliche Perspektive für mich“, träumt der junge Prerower, dem Lothar Schmidt jederzeit Talent für die filigranen Arbeiten bescheinigt.

    Seit einigen Jahren liefern die Modellbauer originalgetreue Häuser im Maßstab 1:100 für das Bahnhofsmodell des Kleinbahnvereins. Mittlerweile konnte fast der gesamte Straßenzug vom Hannemannschen Kiosk bis zum Kulturhaus HdW, einschließlich des Gärtnergangs, nachgebildet werden.

    Zuletzt übergab das BQB Modelle der Barther Jugendherberge sowie des Borner Nationalparkamtes an die betreffenden Einrichtungen. Als nächste Vorhaben plant die Werkstatt Nachbauten der ursprünglichen Ausflugsgaststätte in Tannenheim und der abgerissenen Fischfabrik.

    Im Laufe der vielen Jahre haben die Tüftler an ihren Fertigungstechniken gefeilt und die besten Materialien gefunden. Styropor, Styrodur, Leim und Farbe gibt es in jedem Baumarkt, spezielle Dekorplatten lassen sich im Internet ordern. Auch die notwendigen Werkzeuge sind relativ einfach zu beschaffen: Cuttermesser, Stahllineale, Reißnadeln, Heißschneider und Spachtel.

    Weil sich die Maßnahmen der MAE-Kräfte überschneiden, geht das erworbene Spezialwissen nicht verloren. Die ausscheidenden Mitarbeiter können ihre Erfahrungen stets an die Neulinge weiterreichen.

    Ihre Bauobjekte fotografieren und vermessen die Modellbauer am liebsten am Original vor Ort. Schwierigkeiten bereiten logischerweise jedoch Gebäude, die längst abgerissen sind. „Dann suchen wir im Archiv nach historischen Fotos oder Bauplänen und werden dabei häufig fündig. Oft ist unsere räumliche und perspektivische Vorstellungskraft gefordert“, berichtete Lothar Schmidt.

    Eine Herausforderung wäre für ihn der Nachbau des Barther Klosters. Sven Laskowski hingegen würde sich sehr gern einmal an der kleinen Form der Prerower Seemannskirche versuchen.

    VOLKER STEPHAN